Vorlage:Zeitgeschehen und Gedenken 2026

Aus Romano-Guardini-Handbuch

Am 8. Juni 2026 starb der Guardini-Professor und -Preisträger Prof. Dr. Hans Maier

Drei Monate nach seiner Ehefrau Adelheid und 10 Tage vor seinem 95. Geburtstag ist Prof. Dr. Hans Maier gestorben. In Freiburg geboren, und vor allem auch an der dortigen sowie an der Münchener Universität zum Gymnasiallehrer und Politikwissenschaftler ausgebildet, war er später vor allem in Bayern als CSU-Politiker aktiv und war Jahrzehnte lang einer der führenden Repräsentanten des deutschen Katholizismus. Von 1988 an bis zu seinem Tod hat er sich an der Universität München als Inhaber des Guardini-Lehrstuhls, in der Katholischen Akademie in Bayern und im Freundeskreis Mooshausen für das Andenken Romano Guardinis gewirkt. Er war nicht nur von 1988 bis 1999 Inhaber des Guardini-Lehrstuhls in München, sondern setzte sich auch für dessen Erhalt ein, als er aufgegeben werden sollte. Immerhin als Gastprofessur ist er noch erhalten geblieben. In Berlin engagierte er sich nach der "Wende" auf Einladung von Thomas Brose hin und gemeinsam mit Eugen Biser erfolgreich für die Abhaltung von Guardini-Lectures und die Errichtung eines Guardini-Lehrstuhls.

In seinen lesenswerten Memoiren "Böse Jahre, gute Jahre: Ein Leben 1931 ff." hat er in drei Kapiteln (14., S. 118 f., 17., S. 146 f. und 29., S. 316 ff.) auch zu Romano Guardini geschrieben, den er 1954 erstmals in München selbst gehört hatte und zu dessen Festschrift er 1965 beitrug ("Der Mensch im Exil. Zum Sinnwandel der modernen Emigration"). Auch wenn er in seinen Memoiren seine von der Guardini-Forschung überholte Vorstellung vom "unpolitischen" Guardini der Weimarer Republik, der sich nach der Erfahrung des Dritten Reiches erst vermehrt um ethische und politische Themen gekümmert habe und sich nach 1945 daher auch für politische Bildung eingesetzt habe, wiederholte, ist seine hohe Wertschätzung gegenüber Guardini deutlich erkennbar. Noch als Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus hatte er an den vorgetragenen und publizistischen Würdigungen im Gedenkjahr 1985 einen großen Anteil. Er sah in ihm vor allem einen herausragenden und ganze Generationen prägenden "Prediger, Liturgen und Erzieher".

Nachrufe in Auswahl:

Verena Rauen - Vertreterin für Kristina Kieslinger an der Romano-Guardini-Professur für Ethik an der KH Mainz

Frau Dr. Verena Rauen vertritt seit April 2026, während der Elternzeit von Frau Prof. Kristina Kieslinger, die Romano-Guardini-Professur für Ethik an der Katholischen Hochschule in Mainz - https://www.kh-mz.de/hochschule/organisation/person/verena-rauen

"Der Student, der Romano Guardini ein Versprechen gab". Ein bemerkenswertes Interview mit Alfonso López-Quintás ist online

Im November 2025 gab der Alfonso López Quintás dem Verlag CTEA einen autobiographischen Einblick in seine Auseinandersetzung mit Romano Guardini, die beim 16jährigen mit einer umfassenden Lektüre von dessen Werken begann, mit einer mehrjährigen Begegnung in München und der von ihm durch ein Versprechen bewirkten Aufhebung eines von Guardini verfügten Verbotes von Übersetzungen ins Spanische weiterging, und bis hin zu seiner lebenslangen Tätigkeit als Guardini-Forscher und -Kenner reicht. ECOS by CTEA hat das aufschlussreiche Interview jetzt online gestellt. - https://ecosbyctea.substack.com/p/una-promesa-de-por-vida

Papst Leo XIV.: Katechese "Der Ritus, das Zeichen, das Symbol" in der Generalaudienz am 3. Juni 2026: "Der Mensch muss wieder symbolfähig werden."

In der Katechese vom 3. Juni 2026 verweist Papst Leo XIV. erneut auf einen Schreiben von Papst Franziskus unter Einbezug eines darin enthaltenen Guardini-Zitates: "In dem Apostolischen Schreiben „Desiderio desideravi“ hat Papst Franziskus, indem er sich eine Aussage von Romano Guardini zu eigen machte, „die erste Aufgabe der liturgischen Ausbildung“ benannt: „der Mensch muss wieder symbolfähig werden“ (Nr. 44). Wir müssen uns von den Riten der Liturgie erziehen lassen, indem wir mit Feingefühl und ohne Willkür auf die Schönheit unserer Feiern achten und uns einer authentischen Mystagogie widmen. Die Erfahrung einer lebendigen und andächtigen Liturgie, begleitet von einer angemessenen mystagogischen Katechese, ist die beste Ressource, um in allen jene Offenheit für die Begegnung mit Gott zu wecken, die im Sinne der Menschwerdung nur unter Einbeziehung des ganzen Menschen – Geist, Seele und Leib – stattfinden kann (vgl. 1 Thess 5,23)." (https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-06/wortlaut-generalaudienz-papst-leo-xiv-ritus-liturgie-konzil.html mit Video und https://www.vatican.va/content/leo-xiv/it/audiences/2026/documents/20260603-udienza-generale.html)

Erste Enzyklika von Papst Leo XIV. knüpft an Papst Franziskus samt Guardini an

In der Enzyklika "Magnifica Humanitas. Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" knüpft Papst Leo XIV. an eine Passage in der Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus an und übernimmt daraus auch eines der zahlreichen Guardini-Zitate - https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html; unter der Überschrift "Das technokratische Paradigma und die digitale Macht" heißt es in den Abschnitten 92 und 93: "[92] In der Enzyklika Laudato si’ hat Papst Franziskus die zunehmende Durchsetzung eines technokratischen Paradigmas [119 Vgl. Franziskus, Enzyklika Laudato si’ (24. Mai 2015), 106-109: AAS 107 (2015), 889-891.] in der globalisierten Welt angeprangert, also die Tendenz, persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits zu unterwerfen. Damit wird deutlicher, dass Technik kein bloßes Werkzeug ist und dass sie, wenn sie selbst zum Beurteilungsmaßstab wird, letztendlich bestimmt, was zählt und was aussortiert werden kann. Damit wird die Schöpfung zu einem Objekt der Ausbeutung und werden die Menschen zu Rädchen in einem System erniedrigt, das immer effizienter werden muss. [93] Dieses Paradigma hat sich in den letzten Jahren rasch verbreitet, auch aufgrund der Verbreitung von Künstlicher Intelligenz, von Kognitionswissenschaften, Nanotechnologie, Robotik und Biotechnologie. An sich können diese Innovationen zu einer großen Hilfe für die ganzheitliche menschliche Entwicklung und die Bewahrung unseres gemeinsamen Hauses werden. Doch gerade wegen ihrer Leistungsfähigkeit können sie als Beschleuniger des technokratischen Paradigmas wirken und bedürfen daher einer neuen geistlichen, ethischen und politischen Einordnung. Leistungsfähiger bedeutet nicht zwangsläufig besser. In diesem Sinne bleiben die Worte von Romano Guardini aktuell: »Es zeigt sich, dass der moderne Mensch nicht zum richtigen Gebrauch der Macht erzogen wird.« [120 R. Guardini, Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1951, 89.]"

Zwei neue Videos

Ende April/Anfang Mai sind zwei Videos auf youtube hochgeladen worden, die ich hier ausdrücklich empfehlen möchte, eins aus dem katholischen, eins aus dem evangelisch-freikirchlichen Kontext.

  • 1) Eugen-Biser-Lectures vom 23. Januar 2026: Holger Zaborowski: „Die Annahme seiner selbst“ (Romano Guardini) - youtube (hochgeladen am 30. April 2026).
  • 2) Hope TV Deutsch vom 3. Mai 2026: Die 7 Krisen des Lebens (über Romano Guardinis: Die Lebensalter) | „Psychologisch“ mit Reiner Dienlin (im Interview mit Marcel Wieland) - youtube

Insgesamt sind im Handbuch mittlerweile fast 150 Videos und Audios zu Romano Guardini und seinen Werken aufgeführt, siehe Videos.

Guardini-Zeichnung von Susanne Scholz

Aktuell wird unter Stichwort "Augenspiegel großer Persönlichkeiten" eine Portrait-Zeichnung Guardinis der Künstlerin Susanne Scholz im Internet besprochen. Kunstportal BW - direkt zum Bild: JPG

500 weitere Titel an Sekundärliteratur im ersten Quartal aufgenommen

17500 Titel erreicht

Etwas verzögert habe ich Mitte April 2026 17500 Titel in der Sekundärbibliographie erreicht. Die aktuelle Schätzung der Gesamtzahl beläuft sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen weiterhin auf mindestens 19000 Titel am Ende der Arbeiten. Bei der systematischen Aufarbeitung bin ich mittlerweile im Jahr 1971 angelangt. Auch ab 2010 ist der erste Durchlauf abgeschlossen, so dass der noch abzuarbeitende Zeitraum von 1972 bis 2009 aussteht. Bei der Beibehaltung des jetzigen Tempos wäre wohl Ende 2026 der Grundstock bewerkstelligt.

1970: Papst Paul VI. bezieht sich drei Mal auf Guardini - drei Mal bislang nicht ins Deutsche übersetzt

Für das Jahr 1970 besonders eindrücklich war die bislang nicht in der Bibliographie enthaltene, ursprünglich in Französisch gehaltene, nur ins Englische, Spanische und Portugiesische, aber nicht ins Deutsche übersetzte Ansprache von Papst Paul VI. vom 4. April 1970, in dem er ausführlich auf Guardinis Meditation über die Auferstehung des Herrn in seinem Buch "Der Herr" Bezug nimmt - Vatican.va. Sie zeigt die hohe Wertschätzung Guardinis durch Papst Paul VI. für das Werk Romano Guardinis auch über dessen Tod hinaus. 1970 hat Papst Paul VI. über diese Rede hinaus noch mindestens zwei Mal Bezug auf Guardini genommen, einmal am Aschermittwoch auf "Von heiligen Zeichen" (Vatican.va), einmal im September gegenüber einem Thomistenkongress auf Guardinis Predigtmeditationen über die "Tugenden" (Vatican.va)

80 Jahre und aus aktuellem Anlass: Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik

Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik, 1946 - Cover

1946 erschien die Erstausgabe von Guardinis Aufarbeitung des Dritten Reiches und des Nationalsozialismus als "politische Religion", die er zuvor 1945 in Vorträgen in Memmingen, Ulm und Stuttgart aus älteren Vorlagen neu geformt und ergänzt hat. Er gab ihnen im Druck den Untertitel "Eine theologisch-politische Besinnung". Guardini war davon überzeugt, dass der Spuk der quasi-religiösen Heilbringer gerade auch im säkularisierten Westen noch lange nicht vorbei war und verstand sein Werk als Mahnung und Warnung vor Remythisierungsversuchen der Heilandsgestalt. Auf dem Cover der späteren Taschenbuchausgabe wurde der "Sinn" dieser Studie zusammengefasst: "Wie waren Hitler und die Massenvernichtung der Juden in Deutschland möglich? Romano Guardini versucht den religiösen Kern dieser verhängnisvollen Entwicklung freizulegen. Er zeigt, wie Menschen, die die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach Heil nicht mehr in Jesus Christus fanden, dem Verkünder des Blut- und Rasse-Mythos blind folgen konnten."

An sich wollte ich in diesem Handbuch nicht selbst "politisch" sprechen. Aber angesichts der jüngsten Auswüchse pseudoreligiöser Selbstdarstellung eines demokratisch gewählten Präsidenten einer der mächtigsten "Weltmächte" - Bericht von NTV - haben Guardinis Gedanken just 80 Jahre nach dem ersten Erscheinen unfreiwillig wieder höchste Aktualität erfahren.

Aktuelle Änderungen Primärbibliographie

Zuordnung eines Artikels

Der Artikel "Die Frage nach Christus" (in: Germania, Berlin, 25. Dezember 1937 sowie in ihrem Ableger Die Sächsische Volkszeitung, 36, 1937, 301 (24./25. Dezember), Weihnachtsbeilage - SLUB Dresden (pdf-Datei) konnte dem im Nachlass befindlichen Typoskript "Die frohe Botschaft. Erster Teil" zugeordnet werden.

Umdatierung einer Übersetzung

Guardini hat laut Ernesto Grassi die Texte Giordano Brunos, die Grassi für den Auswahlband "Heroische Leidenschaften und individuelles Leben" verwendet hat, übersetzt. Bisher wurde dies in der Mercker-Bibliographie für die zweite erweiterte Auflage von 1957 angeführt. Die Angabe, dass die Texte "von befreundeter Seite" übersetzt worden seien, findet sich aber auch schon im Nachwort der Ausgabe von 1947. Daher lautet die bibliographische Angabe jetzt:

Neufund

Der ursprünglich als Vorwort für die deutsche Übersetzung von Hélène Nolthenius´ "Duecento" entworfene Text wurde bislang unbemerkt auszugsweise als Verlagsanzeigentext gedruckt, wohl unter anderem im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 1958, S. 1762. Es wird daher 1958 eingefügt unter Text für Verlagsanzeige zu Hélène Nolthenius, Duecento.

Aktuelle Gesamtzahl

Damit liegt die Gesamtzahl der eigenständigen Titel bei 725, davon wurden 604 zu Lebzeiten Guardinis gedruckt. Bei der Veröffentlichung der ersten Gesamt-Primärbibliographie waren von diesen 604 Titeln 496 bekannt, seither konnten weiter 108 Titel neu aufgenommen werden, davon 79 im Zuge der Nachforschungen im Rahmen des Seligsprechungsprozesses durch mich.

The Prophet of Lake Como - Fr. Romano Guardini on Technology and Culture

Der absolut sehenswerte 29minütige Dokumentarfilm aus dem Jahr 2020 (in englischer Sprache) ist aktuell wieder in der EWTN-Mediathek verfügbar - EWTN

Kirchenführer St. Laurentius in München von Walter Zahner

Im Kunstverlag Fink ist der von Walter Zahner erstellte Jubliäums-Kirchenführer der 1955 geweihten Kirche St. Laurentius in München erschienen - Kunstverlag Fink. Es gibt naturgemäß einige Bezüge zu Romano Guardini - zu den dort wirkenden Oratorianern (vor allem Heinrich Kahlefeld und Ernst Tewes), zum Architekten Emil Steffann (der in Berlin 1935/36 die Bauleitung für das von Rudolf schwarz entworfene Haus Guardinis hatte), dem Bau ("Einfluss von Burg Rothenfels"), der Kirchweihe (Guardini hielt Vorbereitungspredigt Was ist eine Kirche?) sowie der Innenausstattung ("Guardini-Kreuz").

Romano Guardinis Lob der heiligen Einsamkeit

Cover

Eine kleine von mir herausgegebene Guardini-Anthologie unter dem Titel "Romano Guardinis Lob der heiligen Einsamkeit. Auf dem Weg zur Fülle in sich selbst" ist seit Ende August über den Buchhandel oder den Verlag direkt bestell- und lieferbar - EOS Verlag In meiner Einführung heißt es dazu: "Der Weg zur „Fülle in sich selbst“ kann nur gelingen, wenn er in der notwendigen inneren Einsamkeit vollzogen wird. Menschen, die sich angesichts von vielfachem unfreiwilligem Alleinsein nach Gemeinschaft sehnen, vergessen nicht selten, dass keine Gemeinschaft und Gemeinsamkeit in der Welt diesen Weg der Selbstfindung entdecken und entfalten kann, sondern nur die jeweilige Person selbst, wenn sie sich auf den Weg der inneren Einsamkeit begibt. Es gibt wenige geistliche Meister, die dies so klar beschreiben wie Romano Guardini über den gesamten Zeitraum seines schriftstellerischen Schaffens und Wirkens hinweg."

In dieser Anthologie ist auch der ursprünglich zu den Heiligen Zeichen gehörende Text über die "Einsamkeit (1923)" aufgenommen, der bei der Umstellung von der Heft- auf die Buchform 1927 verlorengegangen war. Das Buch ist ausgestattet mit Fotografien von Max Oberdorfer und Kunstwerken zum Thema Einsamkeit (Böcklin, Fugel, Munch bzw. Rodin, Barlach, Caspar, Klee, Doré, Chagall, Rembrandt und Grünewald) deren Künstler auch einen biographischen Bezug zu Guardini aufweisen.

Sprechende Weihnachten: Zeit der Erinnerung an die "attraktive" Liebes-Gesinnung des menschgewordenen Gottes

Romano Guardini wusste, worauf es in der Nach-Neuzeit angesichts der "furchtbaren Einsamkeit im Glauben" ankommt: Wenn die Liebe aus der allgemeinen Welthaltung verschwunden, nicht mehr verstanden noch gekonnt sein wird, wird sie umso kostbarer werden, "wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht". Die dafür notwendige "Tapferkeit des Herzens" kommt aus der "Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist". Vielleicht können die sich in ihrer Einsamkeit begegnenden Christen auf diese Weise die "Souveränität der Ursprünglichkeit", die "Unabhängigkeit von der Welt" und das "Geheimnis des letzten Warum" dieser Liebe ganz neu erfahren und vielleicht wird diese Liebe "eine Innigkeit des Einvernehmens gewinnen, die noch nicht war". Sie werden Jesu Vorsehungsbotschaft wieder verstehen in den "Schlüsselworten" (Mt 6,33), nämlich daß um den Menschen, der Gottes Willen über Sein Reich zu seiner ersten Sorge macht, die Dinge sich wandeln (vgl. Romano Guardini, Das Ende der Neuzeit, S. 94). Genau davon "spricht Weihnachten" und möchte uns immer wieder daran erinnern, wie Gott gesinnt ist: Durch die Menschwerdung hat "er uns zu einer Innigkeit des Einsseins an sich gezogen", "die über alle Vernunft geht, und unser Leben fortan in diesem Einssein geborgen ist. Damals, in jener Nacht, an jener Stelle, die "Bethlehem" heißt, ist die Welt glühend geworden vom Eintritt der göttlichen Wirklichkeit." Und von damals bis heute wird "Bethlehem" die Stelle bleiben, selbst "wenn sie durch Unglauben und Gewalttat zugedeckt werden" oder "die Kirche in der Welt selbst auf drei Seelen zusammenschrumpfen" sollte. Christ sein heißt, sich "auf das, was da geschehen ist" zu beziehen, an diese Liebe zu glauben, "in der Gott gewollt hat, um ihretwillen solle nie mehr "bloßer" Gott, sondern menschgewordener Gott sein." Diese Liebe ist weit mehr als die schon von den antiken und nicht-christlichen Helden gewußte "Allerweltsliebe des Wohlwollens, wonach `da droben überm Himmelszelt ein guter Vater wohnt´ und alles mit Segen erfüllt" (Romano Guardini, Nähe des Herrn, S. 54 f.). Die Liebe des menschgewordenen Gottes möchte uns an sich ziehen, ist für uns im wahrsten Sinne des Wortes attraktiv, wenn wir es als Menschen guten Willens zulassen. Denn Gottes "Liebe ist geduldig; die Liebe ist gütig; die Liebe kennt keinen Neid. Sie ist nicht eitel; sie bläht sich nicht auf; sie verletzt die Sitte nicht; sie sucht nicht ihren eigenen Vorteil; sie läßt sich nicht verbittern; sie trägt nichts Böses nach; sie freut sich nicht über das Unrecht, wohl aber hat sie Mitfreude über das, was recht ist. Alles glaubt sie; alles hofft sie; alles duldet sie." (1 Kor 13, 4-7 nach Guardinis Übersetzung von 1940).

Allen Christen und Menschen guten Willens eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Jahreswechsel