Vorlage:Zeitgeschehen und Gedenken 2026
Nora Bossongs neues Buch "Welt mit anderen Mitteln. Für mehr Glauben in erschöpften Zeiten"
Nora Bossong verweist in ihrem neuen, am 7. Oktober erschienenen Buch "Welt mit anderen Mitteln. Für mehr Glauben in erschöpften Zeiten" mehrfach auf Romano Guardini. Nicht der einzige Grund für die beiden großen katholischen Akademien in Deutschland, die Katholische Akademie in Berlin und die Katholische Akademie in Bayern, sich mit dem Buch auseinanderzusetzen:
- 13. Oktober 2026, 20:00 Uhr, Katholische Akademie in Berlin, Hannoversche Str. 5, 10115 Berlin: Forum Guardini - Welt mit anderen Mitteln. Für mehr Glauben in erschöpften Zeiten. Lesung und Gespräch mit Nora Bossong, Berlin und Ricarda Lang, MdB - https://www.katholische-akademie-berlin.de/veranstaltung/welt-mit-anderen-mitteln/
- 4. November 2026, 19.00 Uhr, Katholische Akademie in Bayern: Nora Bossong im Gespräch mit Kardinal Marx, Moderation: Tobias Haberl - Katholische Akademie in Bayern
Im Interview mit dem Domradio verweist Bossong ebenfalls auf Guardini, auf eine Episode seines Lebens, die zeigt, dass Bossong sich auch mit Guardinis Biographie beschäftigt hat:
- "DOMRADIO.DE: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass der Dienst als Messdienerin bei Beerdigungen Sie nach dem Tod Ihres Vaters 2020 getröstet habe – besonders auch das Hantieren mit dem Weihrauchfass. Was war denn daran tröstlich? Nora Bossong [...]: Zum einen macht es fraglos Sinn, jemandem einen würdevollen Abschied zu bereiten. Und das geht auch über den Glauben hinaus, denn selbst Menschen, die sich schwer tun mit dem Glauben, brauchen einen Abschied, der in Würde stattfindet. Da mitzuwirken, den Menschen wieder Hoffnung zu geben, schien mir gerade 2020 besonders sinnvoll. Mein Vater ist 2020 gestorben, das war das erste Corona-Jahr, in dem man ja ansonsten in diesen kleinen Kammern zurück gezogen und eingesperrt war. Zum anderen gibt es da eine Episode des katholischen Theologen Romano Guardini, in der er erzählt, dass er ziemlich mit sich gehadert habe und dann habe er in einer Kirche einen Mönch beobachtet, der die Kollekte einsammelte, und Guardini habe das Gefühl gehabt: Okay, das kriege ich auch hin. Es gibt da diese Tätigkeit, sich ganz in den Dienst einer höheren Sache zu stellen, sich dem hinzugeben, das hat auch etwas Tröstliches." - https://www.domradio.de/artikel/nora-bossong-plaediert-fuer-mehr-glauben-erschoepften-zeiten
Nora Bossongs Interesse für Romano Guardini ist 2025 durch ihren beeindruckenden Beitrag in der "Frankfurter Allgemeinen" über die Rede Guardinis anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1952 öffentlich geworden.
- Nora Bossong/Jona Krützfeld/Martin Schult: Eine Rückbesinnung auf die Tiefe der Worte. 75 Jahre Friedenspreis des deutschen Buchhandels: Ein Gespräch mit der Schriftstellerin Nora Bossong über Romano Guardini, den Theologen und Friedenspreisträger von 1952, in: Frankfurter Allgemeine, 2025, 30. August [Artikel] - FAZ
Jörg Splett verstorben
Am 29. September 2026 verstarb der Religionsphilosoph und Anthropologe Jörg Splett. Er hat sich durch seine Beiträge zu Guardini zwischen 1965 und 2018 besonders um die Kategorie der Personalität bei Guardini verdient gemacht. Er kannte das Werk Guardinis so gut, dass er schon früh auf Guardini-"spezifische" Begriffe hingewiesen hat, zum Beispiel in seinem ersten Beitrag von 1965 auf Guardinis Rede von der "Transzension".
Nachrufe:
- Jörg-Splett-Gesellschaft für christliches Denken e.V. - https://splettgesellschaft.de/
- Sankt Georgen: https://www.sankt-georgen.de/button-menue/mediathek/nachrichten-aus-sankt-georgen/detail/prof-dr-dr-hc-joerg-splett-verstorben-1137/
- Georg Bergner: Der erste Philosoph [zur Erinnerung an Professor Jörg Splett] - https://sensusfidei.blog/2026/09/30/der-erste-philosoph-zur-erinnerung-an-den-verstorbenen-professor-jorg-splett/
Aus gegebenem Anlass: "Wahrheit und Lüge" (1945)
Guardinis Vortrag von 1945 - erster Vortrag im Rahmen der »Religiösen Ansprachen über christliche Weltanschauung«, gehalten am Sonntag, 5. August 1945, in der Kirche St. Johann Baptist in Memmingen, am Donnerstag, 16. August 1945, in der Martin-Luther-Kirche in Ulm, sowie am Sonntag, 23. September 1945, im katholischen Gesellenhaus in Stuttgart, ist gerade jetzt wieder aktueller denn je. Der evangelische Gemeindepfarrer von Vöhringen, Jochen Teuffel, hat sich daher entschieden den Text im Rahmen seiner Reihe "Namensgedächtnis" für den 13. September 2026 online wiederzugeben - https://jochenteuffel.com/2026/09/13/romano-guardini-wahrheit-und-luge-1945-wir-mussen-wissen-welches-die-schlimmste-zerstorung-ist-die-sich-in-den-vergangenen-jahren-ereignet-hat-nicht-die-der-hauser-und-fabriken-und-eisenbahne/ Die unmissverständliche Botschaft von Guardini lautet: Wer aus der Zerstörung der Wahrheit heraus will, wer wieder Leben aufbauen will, das würdig und fruchtbar ist, muss "innerlich bei der Wahrheit anfangen.“ Denn die Wahrheit wird im Letzten durch die verinnerlichte Lüge zerstört. Die Lüge manipuliert das Selbst dazu, sie zu glauben, mit der Wahrheit zu vertauschen, sich so selbst zu belügen und die Folgen zu rationalisieren mit dem Satz: »Alles hat so kommen müssen«. Guardini schreibt in einer anderen Analyse aus dem Jahr 1948 dessen, was im Dritten Reich geschehen ist: "Wenn das vergangene Geschehen eine Erkenntnis gebracht haben müßte, dann die, daß der Satz: »Alles hat so kommen müssen« Lüge und Feigheit ist. In Wahrheit ist es so gekommen, weil es gewollt bzw. nicht verhindert wurde. Trotzdem hat das Geschehen so sehr den Charakter eines sich vollziehenden Prozesses, daß die unendliche Versuchung besteht, sich hinter dem Anschein der Notwendigkeit der Verantwortung zu entziehen." (Auf der Suche nach dem Frieden, 1948, in: Sorge um den Menschen, Band 2, Mainz (2)1989, S. 11)
Guardini im Stuttgarter Una Sancta-Kreis 1940-1972
Die 2024 an der Universität Würzburg angenommene theologische, kirchengeschichtliche Doktorarbeit von Joachim Bürkle ist 2026 in der Reihe "Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe B: Forschungen" als Band 149 erschienen. An zahlreichen Stellen wird die Bedeutung Romano Guardinis und Josef Weigers für diesen Kreis der katholischerseits wesentlich von ihrem langjährigen Freund, dem Künstlerpfarrer Hermann Breucha getragen wurde, deutlich gemacht. Daher sei nicht nur in der Bibliographie, sondern auch hier auf diesen wichtigen Beitrag zur Biographie und Werkbiographie Romano Guardinis aufmerksam gemacht (Joachim Bürkle: Kommunikation an Der Grenze Der Konfessionen. Der Stuttgarter Una Sancta-Kreis 1940-1972, 2026 (zugl. Diss. theol., Würzburg 2024) [Monographie] - https://books.google.de/books?id=Xu_vEQAAQBAJ).
Nel cuore della Chiesa
Der Pastoralbesuch von Papst Leo XIV. am 22. August 2026, in der Republik von San Marino beim "Meeting per l’amicizia fra i popoli" sowie in der Stadt Rimini wurde vom Bischof von San Marino-Montefeltro, Domenico Beneventi, im Osservatore Romano angekündigt und abschließend begrüßt mit den Worten: "Wir hoffen, dass die Anwesenheit von Leo XIV. in unserer Mitte – neben den vielen Früchten, die sie hervorbringen wird – jenem „Vorgang von unermesslicher Tragweite“ neuen Auftrieb verleiht, den Romano Guardini vor etwas mehr als einem Jahrhundert vorausgeahnt hatte: dem „Erwachen der Kirche in den Seelen“." - https://www.osservatoreromano.va/it/news/2026-08/quo-189/nel-cuore-della-chiesa.html. Es zeigt, dass auch Bischof Beneventi von Romano Guardinis Kirchenverständnis geprägt ist, so wie auch viele seiner Mitbrüder besonders in den Kirchenprovinzen Bologna, Ravenna, Trient und Venedig (mit Verona und Vicenza) es sind, darunter auch der Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Bologna, Matteo Maria Kardinal Kardinal Zuppi, der zum Beispiel bei seiner Einführung zum Consiglio Episcopale Permanente (20.-22. Januar 2025 in Rom) gleich zweimal auf Guardini verwiesen und aus "Von heiligen Zeichen" und "Vom Sinn der Kirche" zitiert hat - https://www.chiesacattolica.it/wp-content/uploads/sites/31/2026/08/NumeroNotiziario_1_2025.pdf.
Erste Vergleiche zwischen Papst Leo XIV. und Romano Guardini
Im Juli 2026 sind auf Spanisch und Italienisch die ersten Vergleichsartikel zwischen Papst Leo XIV. und Romano Guardini, natürlich jeweils auch in Bezug auf Papst Franziskus:
- León XIV y Romano Guardini: el poder y la custodia de lo humano, in: Ediciones Cristiandad Newsletter, 2026, 16. Juli [Artikel] - ediciones cristiandad
- Yvonne Dohna Schlobitten: A confronto con l´enciclica "Magnifica Humanitas". Una scuola del pensare trinitario, in: L´ Osservatore Romano, 166, 2026, 168 (25. Juli 2026), S. 2 und 5 [Artikel] - [noch nicht online]
Opera Omnia VIII-1: Teologia fondamentale. Saggi 1918-1939
Der Verlag Morcelliana hat für den 21. August 2026 den ersten Band der "fundamentaltheologischen" Schriften Guardinis angekündigt. - Morcelliana. Das Inhaltsverzeichnis (Sommario) ist bereits online einsehbar. Herausgeber ist Giulio Osto, der auch die Einführung geschrieben hat.
Podcast Amen.Halleluja über Liturgische Bildung mit Gunda Brüske
Podcast Amen.Halleluja Folge 39, Episode 38: Gunda Brüske über ihren Weg zur Liturgie, zu Guardini und zur Liturgischen Bildung, ihre Arbeit im Liturgischen Referat und über Liturgische Bildung heute - RTL+
Veronica Jochum von Moltke am 24. Juni 2026 gestorben
Am 24. Juni 2026 verstarb in München die mit Romano Guardini seit ihrer Kindheit bekannte Pianistin Veronica Jochum von Moltke, Tochter des Dirigenten Eugen Jochum und Maria Jochum geb. Montz. Sie und ihre Schwester Romana Jochum, die Patenkind Guardinis und nach ihm benannt worden war, gehörten zusammen mit den Kindern von Dieter und Maria Sattler, geb. Schiedges, zu jenen Kindern, die schon während des Dritten Reiches im "Grendacher Kreis" mit Guardini zusammentrafen und ihn "Onkel Romano" nennen durften. Traueranzeige mit Beerdigungstermin: Traueranzeige
18000 Titel erreicht
Etwas verzögert habe ich Mitte Juli 2026 18000 Titel in der Sekundärbibliographie erreicht. Die aktuelle Schätzung der Gesamtzahl beläuft sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen auf mindestens 19500 Titel am Ende der Arbeiten. Bei der systematischen Aufarbeitung bin ich mittlerweile im Jahr 1979 angelangt. Auch ab 2010 ist der erste Durchlauf abgeschlossen, so dass der noch abzuarbeitende Zeitraum von 1980 bis 2009 aussteht. Bei der Beibehaltung des jetzigen Tempos (ca. 500 Titel pro Quartal) wäre wohl im Frühjahr 2027 der Grundstock der Sekundärbibliographie bewerkstelligt.
Wöchentlicher Christus-Rosenkranz in der Evangelisch-Lutherischen Hauptkirche St. Trinitatis in Hamburg-Altona
Die evangelisch-lutherische Hauptkirche St. Trinitatis in Hamburg-Altona ("Kirche am Fischmarkt") betet schon seit längerem dienstags um 17 Uhr den Christus-Rosenkranz in einer Form, die von Romano Guardini inspiriert sei. In der aktuellen Online-Ankündigung heißt es: Der Rosenkranz entfaltet seine Wirkung durch viele sich wiederholende Anrufungen und Gebete und ist mit ein wenig Übung leicht zu erlernen. Dabei bezieht sich der Christus-Rosenkranz auf Jesus. Die Form, die wir beten, ist von dem katholischen Theologen Romano Guardini inspiriert und meditiert jede Woche das Evangelium des kommenden Sonntags. Nehmen Sie sich wöchentlich 25 Minuten Zeit und erleben Sie in Gemeinschaft eine sich immer weiter vertiefende Form christlicher Kontemplation. - https://www.hauptkirche-altona.de/termine/668-christus-rosenkranz-beten.html (erstmals angekündigt durch Pastor Torsten Morche im Gemeindebrief Winter 2024/25, der darin angibt, über Romano Guardini zu dieser Gebetsform gefunden zu haben und sie bereits seit 7 Jahren persönlich zu praktizieren)
Schola Cantorum Lorchensis: Psalmen in der Guardini-Übersetzung
Die Schola Cantorum Lorchensis hat einige Psalmen in der Guardini-Übersetzung im Gregorianischen Choral aufgenommen und stellt sie seit geraumer Zeit als Audio-Datei zur Verfügung gestellt. Aufgrund aktueller Meldungen im Umfeld dieser Seite, wurde mir sie aktuell bei Bing angezeigt. - https://www.stickeria.de/scl/media/guardini-psalmen.html
Am 8. Juni 2026 starb der Guardini-Professor und -Preisträger Prof. Dr. Hans Maier
Drei Monate nach seiner Ehefrau Adelheid und 10 Tage vor seinem 95. Geburtstag ist Prof. Dr. Hans Maier gestorben. In Freiburg geboren, und vor allem auch an der dortigen sowie an der Münchener Universität zum Gymnasiallehrer und Politikwissenschaftler ausgebildet, war er später vor allem in Bayern als CSU-Politiker aktiv und war Jahrzehnte lang einer der führenden Repräsentanten des deutschen Katholizismus. Von 1988 an bis zu seinem Tod hat er sich an der Universität München als Inhaber des Guardini-Lehrstuhls, in der Katholischen Akademie in Bayern und im Freundeskreis Mooshausen für das Andenken Romano Guardinis gewirkt. Er war nicht nur von 1988 bis 1999 Inhaber des Guardini-Lehrstuhls in München, sondern setzte sich auch für dessen Erhalt ein, als er aufgegeben werden sollte. Immerhin als Gastprofessur ist er noch erhalten geblieben. In Berlin engagierte er sich nach der "Wende" auf Einladung von Thomas Brose hin und gemeinsam mit Eugen Biser erfolgreich für die Abhaltung von Guardini-Lectures und die Errichtung eines Guardini-Lehrstuhls.
In seinen lesenswerten Memoiren "Böse Jahre, gute Jahre: Ein Leben 1931 ff." hat er in drei Kapiteln (14., S. 118 f., 17., S. 146 f. und 29., S. 316 ff.) auch zu Romano Guardini geschrieben, den er 1954 erstmals in München selbst gehört hatte und zu dessen Festschrift er 1965 beitrug ("Der Mensch im Exil. Zum Sinnwandel der modernen Emigration"). Auch wenn er in seinen Memoiren seine von der Guardini-Forschung überholte Vorstellung vom "unpolitischen" Guardini der Weimarer Republik, der sich nach der Erfahrung des Dritten Reiches erst vermehrt um ethische und politische Themen gekümmert habe und sich nach 1945 daher auch für politische Bildung eingesetzt habe, wiederholte, ist seine hohe Wertschätzung gegenüber Guardini deutlich erkennbar. Noch als Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus hatte er an den vorgetragenen und publizistischen Würdigungen im Gedenkjahr 1985 einen großen Anteil. Er sah in ihm vor allem einen herausragenden und ganze Generationen prägenden "Prediger, Liturgen und Erzieher".
Nachrufe in Auswahl:
- BR-Video - BR Nachrichten
- Katholische Akademie in Bayern - Anstelle eines Nachrufs: Die Würdigung durch Akademiedirektor Dr. Achim Budde anläßlich der Eröffnung der Hans-Maier-Bibliothek im Schloß Suresnes von 2021 - https://www.youtube.com/watch?v=oJv0GxPMdEg
- Nachruf von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz für den Freundeskreis Mooshausen - Mooshausen pdf
- Nachruf von Thomas Brose für die Guardini-Stiftung: „Ein Licht, das über sich hinausweist“ (Hans Maier 1931-2026) - Guardini-Stiftung
- Bayerisches Kultusministerium - Kultusministerium
- Bayerischer Landtag - Landtag
- Katholische Sonntagszeitung - Sonntagszeitung
- Sonntagsblatt (evangelisch) - Sonntagsblatt
Verena Rauen - Vertreterin für Kristina Kieslinger an der Romano-Guardini-Professur für Ethik an der KH Mainz
Frau Dr. Verena Rauen vertritt seit April 2026, während der Elternzeit von Frau Prof. Kristina Kieslinger, die Romano-Guardini-Professur für Ethik an der Katholischen Hochschule in Mainz - https://www.kh-mz.de/hochschule/organisation/person/verena-rauen
"Der Student, der Romano Guardini ein Versprechen gab". Ein bemerkenswertes Interview mit Alfonso López-Quintás ist online
Im November 2025 gab der Alfonso López Quintás dem Verlag CTEA einen autobiographischen Einblick in seine Auseinandersetzung mit Romano Guardini, die beim 16jährigen mit einer umfassenden Lektüre von dessen Werken begann, mit einer mehrjährigen Begegnung in München und der von ihm durch ein Versprechen bewirkten Aufhebung eines von Guardini verfügten Verbotes von Übersetzungen ins Spanische weiterging, und bis hin zu seiner lebenslangen Tätigkeit als Guardini-Forscher und -Kenner reicht. ECOS by CTEA hat das aufschlussreiche Interview jetzt online gestellt. - https://ecosbyctea.substack.com/p/una-promesa-de-por-vida
Papst Leo XIV.: Katechese "Der Ritus, das Zeichen, das Symbol" in der Generalaudienz am 3. Juni 2026: "Der Mensch muss wieder symbolfähig werden."
In der Katechese vom 3. Juni 2026 verweist Papst Leo XIV. erneut auf einen Schreiben von Papst Franziskus unter Einbezug eines darin enthaltenen Guardini-Zitates: "In dem Apostolischen Schreiben „Desiderio desideravi“ hat Papst Franziskus, indem er sich eine Aussage von Romano Guardini zu eigen machte, „die erste Aufgabe der liturgischen Ausbildung“ benannt: „der Mensch muss wieder symbolfähig werden“ (Nr. 44). Wir müssen uns von den Riten der Liturgie erziehen lassen, indem wir mit Feingefühl und ohne Willkür auf die Schönheit unserer Feiern achten und uns einer authentischen Mystagogie widmen. Die Erfahrung einer lebendigen und andächtigen Liturgie, begleitet von einer angemessenen mystagogischen Katechese, ist die beste Ressource, um in allen jene Offenheit für die Begegnung mit Gott zu wecken, die im Sinne der Menschwerdung nur unter Einbeziehung des ganzen Menschen – Geist, Seele und Leib – stattfinden kann (vgl. 1 Thess 5,23)." (https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-06/wortlaut-generalaudienz-papst-leo-xiv-ritus-liturgie-konzil.html mit Video und https://www.vatican.va/content/leo-xiv/it/audiences/2026/documents/20260603-udienza-generale.html)
Erste Enzyklika von Papst Leo XIV. knüpft an Papst Franziskus samt Guardini an
In der Enzyklika "Magnifica Humanitas. Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" knüpft Papst Leo XIV. an eine Passage in der Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus an und übernimmt daraus auch eines der zahlreichen Guardini-Zitate - https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html; unter der Überschrift "Das technokratische Paradigma und die digitale Macht" heißt es in den Abschnitten 92 und 93: "[92] In der Enzyklika Laudato si’ hat Papst Franziskus die zunehmende Durchsetzung eines technokratischen Paradigmas [119 Vgl. Franziskus, Enzyklika Laudato si’ (24. Mai 2015), 106-109: AAS 107 (2015), 889-891.] in der globalisierten Welt angeprangert, also die Tendenz, persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits zu unterwerfen. Damit wird deutlicher, dass Technik kein bloßes Werkzeug ist und dass sie, wenn sie selbst zum Beurteilungsmaßstab wird, letztendlich bestimmt, was zählt und was aussortiert werden kann. Damit wird die Schöpfung zu einem Objekt der Ausbeutung und werden die Menschen zu Rädchen in einem System erniedrigt, das immer effizienter werden muss. [93] Dieses Paradigma hat sich in den letzten Jahren rasch verbreitet, auch aufgrund der Verbreitung von Künstlicher Intelligenz, von Kognitionswissenschaften, Nanotechnologie, Robotik und Biotechnologie. An sich können diese Innovationen zu einer großen Hilfe für die ganzheitliche menschliche Entwicklung und die Bewahrung unseres gemeinsamen Hauses werden. Doch gerade wegen ihrer Leistungsfähigkeit können sie als Beschleuniger des technokratischen Paradigmas wirken und bedürfen daher einer neuen geistlichen, ethischen und politischen Einordnung. Leistungsfähiger bedeutet nicht zwangsläufig besser. In diesem Sinne bleiben die Worte von Romano Guardini aktuell: »Es zeigt sich, dass der moderne Mensch nicht zum richtigen Gebrauch der Macht erzogen wird.« [120 R. Guardini, Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1951, 89.]"
Zwei neue Videos
Ende April/Anfang Mai sind zwei Videos auf youtube hochgeladen worden, die ich hier ausdrücklich empfehlen möchte, eins aus dem katholischen, eins aus dem evangelisch-freikirchlichen Kontext.
- 1) Eugen-Biser-Lectures vom 23. Januar 2026: Holger Zaborowski: „Die Annahme seiner selbst“ (Romano Guardini) - youtube (hochgeladen am 30. April 2026).
- 2) Hope TV Deutsch vom 3. Mai 2026: Die 7 Krisen des Lebens (über Romano Guardinis: Die Lebensalter) | „Psychologisch“ mit Reiner Dienlin (im Interview mit Marcel Wieland) - youtube
Insgesamt sind im Handbuch mittlerweile fast 150 Videos und Audios zu Romano Guardini und seinen Werken aufgeführt, siehe Videos.
Guardini-Zeichnung von Susanne Scholz
Aktuell wird unter Stichwort "Augenspiegel großer Persönlichkeiten" eine Portrait-Zeichnung Guardinis der Künstlerin Susanne Scholz im Internet besprochen. Kunstportal BW - direkt zum Bild: JPG
500 weitere Titel an Sekundärliteratur im ersten Quartal aufgenommen
17500 Titel erreicht
Etwas verzögert habe ich Mitte April 2026 17500 Titel in der Sekundärbibliographie erreicht. Die aktuelle Schätzung der Gesamtzahl beläuft sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen weiterhin auf mindestens 19000 Titel am Ende der Arbeiten. Bei der systematischen Aufarbeitung bin ich mittlerweile im Jahr 1971 angelangt. Auch ab 2010 ist der erste Durchlauf abgeschlossen, so dass der noch abzuarbeitende Zeitraum von 1972 bis 2009 aussteht. Bei der Beibehaltung des jetzigen Tempos wäre wohl Ende 2026 der Grundstock bewerkstelligt.
1970: Papst Paul VI. bezieht sich drei Mal auf Guardini - drei Mal bislang nicht ins Deutsche übersetzt
Für das Jahr 1970 besonders eindrücklich war die bislang nicht in der Bibliographie enthaltene, ursprünglich in Französisch gehaltene, nur ins Englische, Spanische und Portugiesische, aber nicht ins Deutsche übersetzte Ansprache von Papst Paul VI. vom 4. April 1970, in dem er ausführlich auf Guardinis Meditation über die Auferstehung des Herrn in seinem Buch "Der Herr" Bezug nimmt - Vatican.va. Sie zeigt die hohe Wertschätzung Guardinis durch Papst Paul VI. für das Werk Romano Guardinis auch über dessen Tod hinaus. 1970 hat Papst Paul VI. über diese Rede hinaus noch mindestens zwei Mal Bezug auf Guardini genommen, einmal am Aschermittwoch auf "Von heiligen Zeichen" (Vatican.va), einmal im September gegenüber einem Thomistenkongress auf Guardinis Predigtmeditationen über die "Tugenden" (Vatican.va)
80 Jahre und aus aktuellem Anlass: Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik
1946 erschien die Erstausgabe von Guardinis Aufarbeitung des Dritten Reiches und des Nationalsozialismus als "politische Religion", die er zuvor 1945 in Vorträgen in Memmingen, Ulm und Stuttgart aus älteren Vorlagen neu geformt und ergänzt hat. Er gab ihnen im Druck den Untertitel "Eine theologisch-politische Besinnung". Guardini war davon überzeugt, dass der Spuk der quasi-religiösen Heilbringer gerade auch im säkularisierten Westen noch lange nicht vorbei war und verstand sein Werk als Mahnung und Warnung vor Remythisierungsversuchen der Heilandsgestalt. Auf dem Cover der späteren Taschenbuchausgabe wurde der "Sinn" dieser Studie zusammengefasst: "Wie waren Hitler und die Massenvernichtung der Juden in Deutschland möglich? Romano Guardini versucht den religiösen Kern dieser verhängnisvollen Entwicklung freizulegen. Er zeigt, wie Menschen, die die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach Heil nicht mehr in Jesus Christus fanden, dem Verkünder des Blut- und Rasse-Mythos blind folgen konnten."
An sich wollte ich in diesem Handbuch nicht selbst "politisch" sprechen. Aber angesichts der jüngsten Auswüchse pseudoreligiöser Selbstdarstellung eines demokratisch gewählten Präsidenten einer der mächtigsten "Weltmächte" - Bericht von NTV - haben Guardinis Gedanken just 80 Jahre nach dem ersten Erscheinen unfreiwillig wieder höchste Aktualität erfahren.
Aktuelle Änderungen Primärbibliographie
Zuordnung eines Artikels
Der Artikel "Die Frage nach Christus" (in: Germania, Berlin, 25. Dezember 1937 sowie in ihrem Ableger Die Sächsische Volkszeitung, 36, 1937, 301 (24./25. Dezember), Weihnachtsbeilage - SLUB Dresden (pdf-Datei) konnte dem im Nachlass befindlichen Typoskript "Die frohe Botschaft. Erster Teil" zugeordnet werden.
Umdatierung einer Übersetzung
Guardini hat laut Ernesto Grassi die Texte Giordano Brunos, die Grassi für den Auswahlband "Heroische Leidenschaften und individuelles Leben" verwendet hat, übersetzt. Bisher wurde dies in der Mercker-Bibliographie für die zweite erweiterte Auflage von 1957 angeführt. Die Angabe, dass die Texte "von befreundeter Seite" übersetzt worden seien, findet sich aber auch schon im Nachwort der Ausgabe von 1947. Daher lautet die bibliographische Angabe jetzt:
- (Übersetzer aus dem Italienischen) Giordano Bruno: Heroische Leidenschaften und individuelles Leben. Eine Auswahl mit einem Essay "Zum Verständnis des Werkes" und mit einer Bibliographie hrsg. von Ernesto Grassi, Hamburg 1947; (2)1957 [Mercker 1149, bei Mercker nur 1957]
Neufund
Der ursprünglich als Vorwort für die deutsche Übersetzung von Hélène Nolthenius´ "Duecento" entworfene Text wurde bislang unbemerkt auszugsweise als Verlagsanzeigentext gedruckt, wohl unter anderem im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 1958, S. 1762. Es wird daher 1958 eingefügt unter Text für Verlagsanzeige zu Hélène Nolthenius, Duecento.
Aktuelle Gesamtzahl
Damit liegt die Gesamtzahl der eigenständigen Titel bei 725, davon wurden 604 zu Lebzeiten Guardinis gedruckt. Bei der Veröffentlichung der ersten Gesamt-Primärbibliographie waren von diesen 604 Titeln 496 bekannt, seither konnten weiter 108 Titel neu aufgenommen werden, davon 79 im Zuge der Nachforschungen im Rahmen des Seligsprechungsprozesses durch mich.
The Prophet of Lake Como - Fr. Romano Guardini on Technology and Culture
Der absolut sehenswerte 29minütige Dokumentarfilm aus dem Jahr 2020 (in englischer Sprache) ist aktuell wieder in der EWTN-Mediathek verfügbar - EWTN
Kirchenführer St. Laurentius in München von Walter Zahner
Im Kunstverlag Fink ist der von Walter Zahner erstellte Jubliäums-Kirchenführer der 1955 geweihten Kirche St. Laurentius in München erschienen - Kunstverlag Fink. Es gibt naturgemäß einige Bezüge zu Romano Guardini - zu den dort wirkenden Oratorianern (vor allem Heinrich Kahlefeld und Ernst Tewes), zum Architekten Emil Steffann (der in Berlin 1935/36 die Bauleitung für das von Rudolf schwarz entworfene Haus Guardinis hatte), dem Bau ("Einfluss von Burg Rothenfels"), der Kirchweihe (Guardini hielt Vorbereitungspredigt Was ist eine Kirche?) sowie der Innenausstattung ("Guardini-Kreuz").
Romano Guardinis Lob der heiligen Einsamkeit
Eine kleine von mir herausgegebene Guardini-Anthologie unter dem Titel "Romano Guardinis Lob der heiligen Einsamkeit. Auf dem Weg zur Fülle in sich selbst" ist seit Ende August über den Buchhandel oder den Verlag direkt bestell- und lieferbar - EOS Verlag In meiner Einführung heißt es dazu: "Der Weg zur „Fülle in sich selbst“ kann nur gelingen, wenn er in der notwendigen inneren Einsamkeit vollzogen wird. Menschen, die sich angesichts von vielfachem unfreiwilligem Alleinsein nach Gemeinschaft sehnen, vergessen nicht selten, dass keine Gemeinschaft und Gemeinsamkeit in der Welt diesen Weg der Selbstfindung entdecken und entfalten kann, sondern nur die jeweilige Person selbst, wenn sie sich auf den Weg der inneren Einsamkeit begibt. Es gibt wenige geistliche Meister, die dies so klar beschreiben wie Romano Guardini über den gesamten Zeitraum seines schriftstellerischen Schaffens und Wirkens hinweg."
In dieser Anthologie ist auch der ursprünglich zu den Heiligen Zeichen gehörende Text über die "Einsamkeit (1923)" aufgenommen, der bei der Umstellung von der Heft- auf die Buchform 1927 verlorengegangen war. Das Buch ist ausgestattet mit Fotografien von Max Oberdorfer und Kunstwerken zum Thema Einsamkeit (Böcklin, Fugel, Munch bzw. Rodin, Barlach, Caspar, Klee, Doré, Chagall, Rembrandt und Grünewald) deren Künstler auch einen biographischen Bezug zu Guardini aufweisen.
Sprechende Weihnachten: Zeit der Erinnerung an die "attraktive" Liebes-Gesinnung des menschgewordenen Gottes
Romano Guardini wusste, worauf es in der Nach-Neuzeit angesichts der "furchtbaren Einsamkeit im Glauben" ankommt: Wenn die Liebe aus der allgemeinen Welthaltung verschwunden, nicht mehr verstanden noch gekonnt sein wird, wird sie umso kostbarer werden, "wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht". Die dafür notwendige "Tapferkeit des Herzens" kommt aus der "Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist". Vielleicht können die sich in ihrer Einsamkeit begegnenden Christen auf diese Weise die "Souveränität der Ursprünglichkeit", die "Unabhängigkeit von der Welt" und das "Geheimnis des letzten Warum" dieser Liebe ganz neu erfahren und vielleicht wird diese Liebe "eine Innigkeit des Einvernehmens gewinnen, die noch nicht war". Sie werden Jesu Vorsehungsbotschaft wieder verstehen in den "Schlüsselworten" (Mt 6,33), nämlich daß um den Menschen, der Gottes Willen über Sein Reich zu seiner ersten Sorge macht, die Dinge sich wandeln (vgl. Romano Guardini, Das Ende der Neuzeit, S. 94). Genau davon "spricht Weihnachten" und möchte uns immer wieder daran erinnern, wie Gott gesinnt ist: Durch die Menschwerdung hat "er uns zu einer Innigkeit des Einsseins an sich gezogen", "die über alle Vernunft geht, und unser Leben fortan in diesem Einssein geborgen ist. Damals, in jener Nacht, an jener Stelle, die "Bethlehem" heißt, ist die Welt glühend geworden vom Eintritt der göttlichen Wirklichkeit." Und von damals bis heute wird "Bethlehem" die Stelle bleiben, selbst "wenn sie durch Unglauben und Gewalttat zugedeckt werden" oder "die Kirche in der Welt selbst auf drei Seelen zusammenschrumpfen" sollte. Christ sein heißt, sich "auf das, was da geschehen ist" zu beziehen, an diese Liebe zu glauben, "in der Gott gewollt hat, um ihretwillen solle nie mehr "bloßer" Gott, sondern menschgewordener Gott sein." Diese Liebe ist weit mehr als die schon von den antiken und nicht-christlichen Helden gewußte "Allerweltsliebe des Wohlwollens, wonach `da droben überm Himmelszelt ein guter Vater wohnt´ und alles mit Segen erfüllt" (Romano Guardini, Nähe des Herrn, S. 54 f.). Die Liebe des menschgewordenen Gottes möchte uns an sich ziehen, ist für uns im wahrsten Sinne des Wortes attraktiv, wenn wir es als Menschen guten Willens zulassen. Denn Gottes "Liebe ist geduldig; die Liebe ist gütig; die Liebe kennt keinen Neid. Sie ist nicht eitel; sie bläht sich nicht auf; sie verletzt die Sitte nicht; sie sucht nicht ihren eigenen Vorteil; sie läßt sich nicht verbittern; sie trägt nichts Böses nach; sie freut sich nicht über das Unrecht, wohl aber hat sie Mitfreude über das, was recht ist. Alles glaubt sie; alles hofft sie; alles duldet sie." (1 Kor 13, 4-7 nach Guardinis Übersetzung von 1940).
Allen Christen und Menschen guten Willens eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Jahreswechsel
